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Der Einzelne kann sich nur durch Selbstausbeutung widersetzen.

— Wieland Dietrich, Vorsitzender Freie Ärzteschaft e.V. über wirtschaftlichen Druck im Gesundheitswesen

 

Kongress Freie Aerzteschaft Berlin 2018 Dr. Günther Jonitz (Präsident ÄK Berlin), Daniela Schmidt (Journalistin, Biologin), Wieland Dietrich (Bundesvorsitzender Freie Ärzteschaft); von links nach rechts

Dieser Satz, den ich gestern auf der Jahrestagung der “Freien Ärzteschaft” hörte, machte mich besonders traurig. Er gilt sicher für viele Idealisten aller Branchen. Selbstfürsorge als Gegenpol stellt sich nicht automatisch ein, schon gar nicht, wenn man Qualität auch unter Druck erhalten will. In der Medizin sticht das Paradoxon noch klarer ins Auge:

Was für einen Weg zu Gesundheit zeigt ein Arzt denn seinen Patienten auf, wenn er sich selbst dabei krank macht?

Und wie wehrt man sich gegen Arbeitsverdichtung, wenn jedes Netzwerktreffen mit Kollegen das kostbare arbeitsfreie Wochenende aufrisst, dass das gebeutelte Regenerationskonto wieder auffüllen könnte für die nächsten Nachtdienste?
Dementsprechend waren die gestrigen Kollegen in Berlin überwiegend älter, Ärzte außerhalb der Schichtpläne.
Aber: Sie haben viel Erfahrung und ein offenes Ohr. Sie wissen, wovon jüngere reden. Und die anwesenden teilen weiterhin die Begeisterung dafür, Menschen in ihrer Gesundheit zu unterstützen und sich dafür auf vielen Ebenen einzusetzen.

Die allumfassende Zauberlösung kann ich auch nicht bieten, aber ich weiß: So viele Akteure (nicht nur Mediziner) suchen nach nachhaltigeren Lösungswegen. Das müssen wir doch nutzen können!
Raum für Kommunikation, wie an diesem Wochenende, ist da ein Anfang.
Man muss nicht immer einer Meinung sein, schon gar nicht über den Weg. Aber als Coach habe ich es immer wieder erlebt, ob für Einzelne oder für Teamarbeit:

Ein Austausch über das Ziel gibt Orientierung und Kraft für die nächsten Schritte.
Offene Reflexion schützt vor komplett blinder Selbstausbeutung oder abgestumpfter “Pflichterfüllung”. Dazu kommt:

Häufig lassen sich nach vielen kleinen individuellen Schritten für Lösungen erkennen, die keiner vorher für denkbar gehalten hätte.

In diesem Sinne gebe ich Herrn Dietrich recht: Es kostet Energie, den Status quo nicht zu akzeptieren, so oder so. Wer nicht mitschwimmt mit den wirtschaftlichen Vorgaben, dem fehlt die Zeit wo anders. Wer grundsätzlich etwas ändern möchte, der muss dafür ebenso Zeit aufwenden. Ja, es gibt die Falle der Selbstausbeutung und es besteht dringender Handlungsbedarf. Aber eine Wahl, was wir mit unserer Kraft und Zeit machen, können und sollten wir treffen, ganz bewusst. Selbstausbeutung ist keine Lösung. Kopf in den Sand stecken ist ungesund, für alle Beteiligten, egal ob Arzt, Patient oder in völlig anderen Kontexten. Dagegen hilft, wenn wir uns gezielt zuerst mit uns selbst und unserer direkten Umgebung beschäftigen. Denn:

Große Hebel bewegt nur, wer sein eigenes Training ernst nimmt.

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